Wie funktioniert die Camera Obscura? Wo kommt sie her? Wie wurde die Camera Obscura eingesetzt und wo finden wir noch heute diese Art Bilder zu erzeugen?

Das Grundprinzip der Camera Obscura ist einfach: Jeder Gegenstand, ob er selbst leuchtet wie die Sonne oder eine Lampe oder ob er deren Licht nur reflektiert, sendet in alle Richtungen Lichtstrahlen aus, die sich geradlinig ausbreiten.
Fällt nun in einen dunklen Raum Licht nur durch ein kleines Loch, so müssen sich die von allen außerhalb des Raumes befindlichen Gegenständen ausgehenden Lichtstrahlen in dieser Öffnung kreuzen. Danach verteilen sich die Strahlen wieder und projizieren auf die gegenüberliegende Wand ein scharfes, jedoch seitenverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Bild der Umgebung. Schon in vorchristlicher Zeit war dieses Prinzip den Mathematikern und Gelehrten in China und in Griechenland bekannt. Vom 13. Jahrhundert an wurde die Camera Obscura von Astronomen zur Beobachtung von Sonnenflecken und Sonnenfinsternissen benutzt, um nicht mit bloßem Auge in das gleißend helle Licht der Sonne blicken zu müssen.

Was bei der Beobachtung der Sonne von Vorteil ist, erwies sich für andere Zwecke als gravierender Nachteil der Camera Obscura: Um ein scharfes Bild zu erzeugen, muß das Loch, durch das das Licht fällt, möglichst klein gehalten werden. Je kleiner jedoch die Öffnung ist, um so weniger Licht fällt insgesamt hindurch, und um so dunkler wird das Bild. Im 16. Jahrhundert wurden deshalb erstmals Linsen aus optischem Glas dazu eingesetzt, die Abbildungsleistung der Camera Obscura technisch zu verbessern. Die mit Brillengläsern vergleichbaren Linsen erlaubten es, die Öffnung zu vergrößern und so ein helleres und trotzdem scharfes Bild zu erzeugen. Allerdings konnten damit nur noch Gegenstände in einem bestimmten Abstand von der Linse scharf abgebildet werden.

Daran hat sich bis heute nichts geändert: Auch ein moderner Fotoapparat bannt immer nur die Gegenstände scharf auf den Film, die sich in der am Objektiv eingestellten Entfernung befinden. Und ein Fotoapparat ist nichts anderes als eine tragbare Camera Obscura: Durch die Linse tritt das Licht in einen dunklen Raum, an dessen gegenüberliegender Wand das Bild auf den Film fällt. Das umgangssprachliche Wort ,,Kamera" für einen Fotoapparat hat seinen Ursprung denn auch in dem Ausdruck Camera Obscura. Vor allen technischen Apparaten entwickelte jedoch die Natur selbst Organe nach dem Prinzip der Camera Obscura. Durch die Linsen unserer Augen, die Pupillen, deren Form mit Hilfe spezieller Muskeln verändert werden und dadurch scharfgestellt werden kann, wirft das Licht ein Bild der Umgebung auf die gegenüberliegende Netzhaut. Nervenzellen leiten die Lichtreize ins Gehirn weiter, wo sie zuletzt um 180" gedreht werden müssen. Denn auch auf unsere Netzhaut wird das Bild der Umwelt seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend projiziert - die Physik macht keine Ausnahmen.